Du bist nicht angemeldet.

1

Sonntag, 12. August 2012, 12:17

Preussisches Toilettenhäuschen - ideales Bauwerk für Anfänger

Hallo,

ich möchte hier mal ein relativ einfach zu bauendes Gebäude vorstellen. Und zwar ein Toilettenhäuschen, wie es die alten Preussen auf vielen kleinen Bahnhöfen errichtet haben. Da bei den alten Preussen vieles nach Normalien gebaut wurde, waren solche Häuschen keine Einzelexemplare.

Als erstes wurde anhand vorliegender Fotos eine "Architektur"-zeichnung angefertigt. Die Maße sind in 1:160, "Großbahner" müssen diese auf ihren Maßstab umrechnen.


Als Baumaterial wird Polystyrol verwendet, für das Dach 0,5mm dick und für die Wände eine Platte mit Bretterstruktur eines bekannten amerikanischen Herstellers. In N habe ich die mit 0,75mm breiten Brettern verwendet, was eine Brettbreite von 120mm ergibt.


Nun die 4 Wände für das Häuschen zuzuschneiden ist mit einem Skalpell oder Cuttermesser eine einfache Sache. Zwei Türöffnungen mit den Maßen 5mm x 13mm werden in eine Giebelwand eingearbeitet. Mit Faller-Plastkleber werden die Wände zusammen geklebt. An den Gebäudekanten und um die Türöffnungen werden Deckbretter angebracht. Diese werden von der Struktuplatte mit dem Skalpell abgeschnitten.
Zur Stabilisierung werden eine Bodenplatte und ein "Firstbalken" eingeklebt.


Die Türen werden ebenfalls aus der Struktuplatte herausgeschnitten. Da die Preussen ein sparsames Volk waren, erhielten die Türen natürlich keine Schlösser mit Drückergarnituren, sondern einen einfachen Griff, welche ich aus Draht anfertigte. Die Scharnierbänder wurden aus Selbstklebefolie aufgebracht.


Fortsetzung folgt gleich.

2

Sonntag, 12. August 2012, 12:37

Weiter gehts.

Das Dach wurde aus 0,5 Polysterolpatten ausgeschnitten und zwar zwei Platten mit den Maßen 25mm x 35mm. Aufgeklebt wurdn sie mit einem hinteren Überatnd von 2,5mm.


Jetzt müssen an der Unterseite noch die Pfetten und Balken angebracht werden. Diese konnten die sparsamen Preussen nicht weglassen, die Dachschalung braucht schließlich Halt. Für die Pfetten wurden wieden Streifen von der Strukturplatte und für die Balken 1,5mm breite Streifen von der 0,5mm Polystyrolplatte abgeschnitten. Zur einfacheren Montage wurden sie erst einmal länger gelassen und werden nach aushärten des Klebers abgeschnitten.


So. dass war es erst einmal, die nächsten Bilder kommen nach dem Baufortschritt.

Was kommt noch: Fertigstellung des Daches, Anstrich(nach preussischen Normalien ;) ), Sichtschutzzaun, Plumbsgrube(denn eine Kanalistion sparte man sich, es gab ja Fäkalienwagen bei der Bahn, deren Anschaffung musste sich rentieren :rolleyes: )

Gruß
Roland

3

Sonntag, 12. August 2012, 13:16

Servus Roland,

clever gedacht und besser gemacht!

Da es die Modellbahnzubehörhersteller leider verabsäumen uNs MoBahnern passendes Material zur Verfügung zu stellen, bleibt ja (leider) nur der Selbstbau.

Nun habe ich zu deinem Projekt mal ein paar Fragen:

1) Gibt es irgendwo noch die Möglichkeit ein solches Häuschen im Original anzuschauen?
(ich befürchte, die Dinger sind inzwischen alle morsch und somit weggegammelt)


2) Woher hast du die Maße für die Immobilie?

In unserer Rätselrubrik hatten wir schon mal das Thema Bahnhofsklo ... (und somit auch ein Foto eines preussischen Toilettenhäuschens, allerdings aus Stein ;) )

mfmG
Volker
... zu meiner HP: http://vaueff.jimdo.com/

4

Sonntag, 12. August 2012, 13:45

Hallo Volker,

bei meinen Riesengebirgswanderungen entlang alter preussischer Eisenbahnlinien habe ich leider keines der alten Holztoilettenhäuschen mehr gefunden. Dafür aber in Mittel Schreiberhau und Nieder Schreiberhau die typischen preusischen hölzernen Empfangsgebäude vorgefunden, welche noch tatellos erhalten und gepflegt sind, da sie jetzt als Wohngebäude genutzt werden. Diese wurden vermessen und anhand historischer Aufnahmen dieser Bahnhofsanlagen konnte ich dann die annähernden Maße des Toilettengebäudes ermitteln.
Das Toilettenhäuschen, welches ich gerade baue ist für einen Freund, welcher den Bahnhof Strickerhäuser nachgebaut hat.

Gruß
Roland

5

Sonntag, 12. August 2012, 15:08

Hallo,

an den kurzen Zeitabständen in denen ich diesen Bau vorstelle, könnt ihr erkennen, dieses Gebäude ist ein kleine Bastelei, bei welcher man schnell zu einem Ergebnis kommt.

Nun waren die Dachdecker da (hatten Sondergenehmigung zwecks Sonntagsarbeit) und haben das Dach mit Teerpappe beklebt. Besandete Dachpappe war dem Auftraggeber zu teuer ;) .

Die Teerpappe ist gewöhnliche schwarze Selbstklebefolie, welche auf eine N-Bahnbreite von 6,25mm und Länge von 62,5 mm zugeschnitten wurde (entspricht einer Dachpapprolle von 1m x 10m). Am Ortgang wurden dann noch Bretter angenagelt (natürlich aus Polystyrolstreifen angeklebt).

Als nächstes wurde der Sichtschutz wieder aus der Strukturplatte angefertigt. Hier verlaufen die Bretterfugen jedoch senkrecht. Die Maße: Höhe 13mm, Seiten Länge 15mm, Lange Seite 60mm, Trennwand (habe ich doppelt genommen) 8mm.

Und so kommt der Sichtschutz ans Gebäude.


An der Rückseite des Gebäudes befand sich die Fäkaliengrube. Diese bestand aus einem Betontrog, welcher oben mit Bohlen abgedeckt war. Die Maße der Grubenabdeckung: 27mm x 9mm x 1mm. Für die Bohlen wurde wieder ein Stück der Strukturplatte und für die Betoneinfassung wurde 1 mm dickes Polystyrol verwendet.

An diese Stelle des Gebäudes kommt die Abdeckung der Fäkaliengrube dann hin.


Bei dem Bahnhof Strickerhäuser, wofür dieses Häuschen gebaut wurde, zeigte die Fäkaliengrube zum Gleis von Bahnsteig 1 hin.
Der Bahnhof war mit nur 2 Gleisen sehr klein, so dass wohl die Entleerung der Fäkaliengrube auch vom Gleis 1 aus erfolgt ist.

Als nächstes müssen nun die Maler kommen.

Gruß
Roland

6

Sonntag, 12. August 2012, 19:24

Hallo Roland,

bei "Strickerhäuser" und "Riesengebirge" denke ich an das Projekt der Zackenbahn - richtig ?


Gruß Frank
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt (Joachim Ringelnatz)
Neue Anlage - Bahnhof Wildbad - Modellbahnsteuerung - EMD MRS 1

7

Sonntag, 12. August 2012, 23:04

Hallo Frank,

ja ich bin ein Zackenbahner. Habe heute auch an meinem Modul weiter gebaut. Da werden zurzeit die Hintergrundkulissen und das Bw gebaut.

Ein Bildchen davon, das Gebäude im Halbrelief im Hintergrund wurde heute fertig gestellt. Es war das Eisenbahnerwohnhaus von Polaun.

Gruß
Roland

8

Mittwoch, 15. August 2012, 20:19

Hallo,

der Lack ist nun getrocknet, jetzt kann das Häuschen fertig vorgestellt werden. Die Farbgebung entspricht der gültigen Vorschrift bis 1928. Danach wurden die Holzgebäude schrittweise mit einem braunen Anstrich versehen. Laut Aussage von noch lebenden "Ureinwohnern" waren die Anlagen bis Kriegsbeginn immer sehr gepflegt.





Der Dachdecker muss noch mal kommen und die Firstdachbahn nachkleben.

Wenn das Häuschen dann auf seinem Platz auf der Anlage ist, gibt es noch einmal ein Bild.

Gruß
Roland

9

Mittwoch, 22. August 2012, 12:19

Hallo Roland,

eine schöne kleine Bastelei, die zur Nachahmung anregt :thumbup:

Aber irgendwie sieht der jetzige Status noch viel zu "sauber" aus - auch im Riesengebirge gab es bestimmt Witterungseinflüsse wie Regen, Sonne und Stürme, die ihre Spuren auch an einem ansonsten gepflegten Toilettenhäuschen hinterließen....

Da ich nun leider überhaupt keine Ahnung vom Altern von Gebäuden habe, würde mich mal interessieren, wie man derartige Einflüsse auf einem fabrikneuen und frisch gestrichenen Gebäude am besten glaubhaft anbringt...

Gruss
Frank
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt (Joachim Ringelnatz)
Neue Anlage - Bahnhof Wildbad - Modellbahnsteuerung - EMD MRS 1

10

Samstag, 25. August 2012, 21:31

Hallo Frank,

Du hast natürlich recht, so wie das gebäude aussieht müssen gerade die Maler da gewesen sein. Wobei bemerkt werden muss, dass damals die Arbeitskräfte billig waren und das auch die Bahn Interesse an sauberen Anlagen hatte! Wenn man sich historische Aufnahmen ansieht, so sind die bahnanlagen immer sehr sauber. Die Gebäude werdens auch gewesen sein.
Das Toilettenhäuschen wird aber noch etwas dezent gealtert.

Jetzt aber erst einmal zum Standort. Ein Vereinsfreund hat den Bahnhof Strickerhäuser angefangen zu bauen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen mit N aufhören (Augen). Also ist das Modul bei mir gelandet, damit ich es fertig machen kann.
Als erstes mal eine Stellprobe.


Damit die künftigen Fahrgäste nicht stolpern, muss in diesem Bereich das Gelände angehoben werden.


Übrigens, ist die auf den ersten Bildern zu sehende BR 90 bis 1923 wirklich auf dieser Strecke unterwegs gewesen, sogar mit dieser Loknummer. Danach kamen die Triebwagen, welche nach meinem Nicknamen benannt wurden. ;)

Gruß
Roland

11

Sonntag, 26. August 2012, 12:25

Hallo,

jetzt hat das Toilettenhäuschen etwas Schmutz angesetzt. In der Hauptsache im unteren Spritzbereich. Verwendet habe ich verschiedene Puder.







Es ist noch nicht auf der Anlage befestigt, der Untergrund muss erst einmal richtig durchtrocknen.

Wem diese Bau zu einfach war, es geht auch einen Schwierigkeitsgrad höher :D - siehe "Die Strickerhäuser".

Gruß
Roland

12

Sonntag, 26. August 2012, 12:39

allo Roland,
das schaut sehr gut aus.
Zwei sachen habe ich da aber noch. Versuch mal von Faber die Granitfarbe. Lava oder Ebenholz für das Dach. Das Ganze schaut dann noch viel mehr nach Teerpappe aus. Siehe dafür das kleine Dach bei werner seinem Lokschuppen.
Und du könntest das ganze noch etwas mit Efeu überwuchern lassen.
Gruß Ferdi

13

Sonntag, 26. August 2012, 13:14

Hallo Ferdi,

danke für den Tip mit Faberkreide. Beim nächsten Besuch im Bastelladen werde ich mir welche holen.

Efeu kommt nicht dran. In der Epoche II waren die Bahnhöfe noch mit Personal besetzt und da wurde alles schön sauber gehalten. Efeu durfte da nicht an Holzgebäuden gepflanzt werden und Unkraut wurde auch nicht geduldet ;) . Die Holzgebäude wurde regelmäßig gepflegt und oft gestrichen, das haben wir bei unseren Exkursionen zu den noch vorhandenen Holzgebäuden der Zackenbahn festgestellt (am verfallenem EG von Jacobsthal haben wir mit dem Messer mal die einzelnen Farbschichten abgenommen, waren sehr viele Schichten :thumbup: )

Gruß
Roland

14

Montag, 27. August 2012, 19:20

Hallo Roland
In der Farbe sind feine Granitpartikel, daher kommt diese Struktur zustande.

Schau mal das hier ist mit so einer Farbe gestrichen.

Gruß Ferdi

15

Montag, 27. August 2012, 20:12

Hallo Roland,

die auf den ersten Bildern zu sehende BR 90
sieht ja tatsächlich aus wie eine T 91 und dürfte damit ein ziemliches Unikat auf 9mm-Schienen sein ?(

Gruß
Frank

Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt (Joachim Ringelnatz)
Neue Anlage - Bahnhof Wildbad - Modellbahnsteuerung - EMD MRS 1

Ähnliche Themen