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Sonntag, 26. August 2012, 12:59

Die Strickerhäuser

Hallo,

was sind "Strickerhäuser"? Ich weiß es auch nicht, ich habe sie einfach mal so genannt, weil diese 3 Wohnhäuser auf dem schmalen schlesischen Geländestreifen zwischen dem Bahnhof Strickerhäuser und dem böhmischen größeren Ort Harrachov standen. Den Bau dieser Wohnhäuser, welche sehr nahe am Bahnhof standen, möchte ich hier beschreiben.
Vom ersten Gebäude gibt es die meisten Bilder, daher wird dieses wohl auch am genauesten und natürlich zuerst gebaut.

Da dieses Gebäude nach Vorbildfotos entsteht, werden hier die Fehler vieler handelsüblichen Bausätze vermieden. So hat dieses Haus höhenversetzte Treppenhausfenster und die künftigen Bewohner werden auch Toiletten mit Fenstern haben. Toilettenfenster sind meist kleiner als die anderen Fenster, da die Toilettenräume bekanntlich auch kleiner sind.

Als Material wird Polystyrol verwendet. Das gibt es in unterschiedlichen Dicken in einschlägigen Bastlerläden und beim großen "C". Weiterhin kommen Dachplatten von Bausatzresten bzw. von im ebay erworbenem Häuserschrott zum Einsatz. Auch von Auhagen werden die Schindelplatten verwendet.

An Werkzeug brauchts nichts besonderes. Ein spitzes Skalpell mit auswechselbaren Klingen, ein Anschlagwinkel, Reißnadel, Lineal und Schleifpapier. Verkleben lassen sich die Platten mit normalem Plastkleber.

Erst einmal alles auf einer Platte anreißen.

Die Fenster werden mit dem Skalpell ausgeschitten, bevor die Wände von einander getrennt werden. Das geschieht wie folgt: Auf der künftigen Sichtseite werden die angerissenen Fenster solange mit dem Skalpell angeschnitten, bis auf der Rückseite ein Abdruck zu sehen ist. Dann werden auf der Rückseite zwei Diagonalrisse in die Fensteröffnung geritzt und danach von der Sichtseite aus das Material aus der Fensteröffnung heraus gedrückt. Anschließend den Grad in der Fensteröffnung noch entfernen.
Danach können die Wände von einander getrennt werden. Einfach ein bis zweimal mit dem Skalpell anritzen und dann durchbrechen.

Die nördliche Wand des Gebäudes ist im Giebelbereich mit Brettern verschalt. Diese Verschalung wurde aus einer Strukturplatte geschnitten und auf die Wand geklebt. Die Fensteröffnungen werden nach abbinden des Klebers nachgearbeitet. Unterhalb der Schalung ist eine Reihe Dachziegel, welche von einer der "Schrott"-Dachplatten mit dem Skalpell abgeschnitten wurde. Unter dieser Dachziegelreihe sind Holzschindeln. Für diese wurde eine Schindelplatte von Auhagen verwendet.

Und hier noch eine Stellprobe der Giebelwand am künftigen Standort.

Ehe es weitergehen kann, muss erst einmal der Kleber trocknen.

Gruß
Roland

2

Sonntag, 26. August 2012, 17:24

Hallo,

der Kleber ist soweit abgebunden, dass es weitergehen kann.

Als nächstes werden die Fensterbänke aus 0,5mm dickem Polystyrol eingeklebt, Innen bündig, Außen 1mm überstehend. Dann werden die 4 Wände zu einem Haus vereinigt.
Aus 1mm Polystyrolstreifen werden die Simse zwischen EG und OG hergestellt und angeklebt. Der Sockel erhält eine Natursteinverblendung, wofür Reste von einer Pola-Mauerwerksplatte Verwendung fanden.

Damit sich die Wände nicht nach innen wölben werden eine Bodenplatte und oben ein "Ringanker" in Form eines Rahmens eingesetzt.




Jetzt sieht es schon aus wie ein Haus. Die Tischler und Putzer sind bereits informiert, dass sie sich jetzt um den weiteren Baufortschritt kümmern müssen - Außenputz und Fenster.

Gruß
Roland

3

Sonntag, 26. August 2012, 22:30

Hallo,

für heute melde ich mich hier zum letzten Mal.
Die Putzer waren da und haben die Fenstergewände und Simse mit Glattputz verputzt.

Danach sind die Tischler gekommen. Diese haben eine vollkommen andere Technologie, als man es eigentlich gewöhnt ist. Als erstes wurde ein Stück farbloses Polystyrol auf Größe der Wand in welche die Fenster einzusetzen sind, zugeschnitten. (das Material wird z.B. in Form von Pralinenschachteln :whistling: , oder CD Hüllen angeboten)
Dieses zugeschnittene Teil wird von innen ins Gebäude eingelegt und mittels scharfer Reißnadel werden die Fenster und Türen angezeichnet. Danach werden die Fensterrahmen und Sprossen aus Selbstklebefolie aufgeklebt. Das sieht dann so (verwirrend) aus:

Wenn alles schön aufgeklebt ist, wird das Teil dann ins Gebäude eingeklebt, mit diesem Ergebnis:


Mit freundlichen Grüßen
Roland

4

Dienstag, 28. August 2012, 22:17

Hallo,

nachdem nun die Tischler alle Fenster und Türen eingesetzt haben, kommen die Putzer wieder zum Zuge. Es wird ein zweilagiger Putz aufgebracht.
Die erste Lage ist Revellfarbe.

Danach wird der Rauhputz in Form von Quarzsand sofort in den nassen Lack eingestreut.


Die Nördliche Wand ist mit Schindeln verkleidet, dort hatten die Putzer nichts zu tun.

Bei meinen ersten Gebäuden hatte ich noch feines Sandpapier genommen, was dann aber nicht natürlich rüber kam, da der Putz zu neu aussah und die Klingen des Skalpells ständig stumpf waren. Dazu kam noch, das bei strukturierten Fassaden es fast unmöglich wurde, saubere Anschlüsse herzustellen.

Bei representativen Gebäuden stelle ich den Putz her, bevor die Fenster eingesetzt werden. Dann besteht noch die Möglichkeit die Fassade farbig zu spritzen.


Bei dem hier vorgestellten Häuschen ist das aber nicht erforderlich, da ist der Grauton gerade richtig. Denn in der Epoche II wurde noch mit Kohle geheizt, dementsprechend verfärbten sich die Gebäude auch recht schnell.

Gruß
Roland

5

Samstag, 1. September 2012, 20:44

Hallo,

die Dachdecker und Zimmerleute sind auf der Baustelle erschienen. Als erstes wird mal die östliche Seite des Daches mit der Schleppgaupe errichtet. Dazu wird in das Dach eine rechteckige Öffnung geschnitten.

Danach erfolgt der Einbau der Wände.

und als Abschluss das Dach auf die Gaube.

Das war erst einmal zum üben. Die Herausforderung ist auf der Westseite, da gehört die Fischaugengaube hin.
Also erst einmal mittels einer Papierschablone die ungefähre Form des Daches ermitteln und danach das Dach ausschneiden. Anschließend wird das Material auf eine Dicke von ca 0,8 mm abgescliffen.

Jetzt die Wand mit dem kleinen Fenster herstellen. Nach dessen obere Rundung die Dachplatte biegen und dann mit Sekundenkleber aufkleben.

Trocknen lassen, dann geht es weiter. :)

Fortsetzung gleich.

6

Samstag, 1. September 2012, 20:57

Bin wieder da, der Kleber ist mehr als nur ausgehärtet. :rolleyes:

Jetzt wird die Gaube erst einmal mit viel Geduld auf einem Stück Schleifpapier plan geschliffen. Wenn das erledigt ist, wird sie auf das Dach an die vorgesehene Stelle gelegt und diese Position angezeichnet. Mittels eines Fräsers werden dann im künftigen Klebeberich die Dachziegel abgefräst.

Wenn alles passt, Gaube drauf kleben.
Jetzt werden beide Dachhälften provisorisch mit Klebeband zusammengefügt und mal aufs Haus gelegt.
Hier die Ostseite mit der Schleppgaupe:

Und die Westseite mit der Fischaugengaube:


Was fehlt nun am Dach noch: Schornstein, Dachausstiegsfenster, Laufbrett, Dunstrohr und Dachentwässerung. Also bis bald.

Gruß
Roland

7

Sonntag, 2. September 2012, 17:10

Beleuchtung

Hallo,

der Hauseigentümer will natürlich auch Licht ins Gebäude haben. Daher wurden bei ebay mal schnell paar LED-Beleuchtungssätze gekauft, zu einem Preis, wo man sich nicht mehr hinsetzt und den Spass selbst zusammen lötet.

Damit nicht alle Fenster hell erleuchtet sind, werden einige mit schwarzer Farbe hinterlegt (vorher aber Gardinen einsetzen, diese habe ich mit farblosem Lack auf die Verglasung geklebt).

Da für gewöhnlich die Lampen an der Decke sind, wurde die Beleuchtung oben unterm Dach eingebaut.

Mal das Dach auflegen und das Licht einschalten:


Da wird wohl der Hausbesitzer seine Mieter mal zur Brust nehmen, wenn die im Treppenhaus das Licht nicht ausschalten. 8o

Gruß
Roland

8

Sonntag, 2. September 2012, 17:22

Hallo Roland,

Da wird wohl der Hausbesitzer seine Mieter mal zur Brust nehmen, wenn die im Treppenhaus das Licht nicht ausschalten.


Würde mich als Vermieter nicht interesieren. Es wird ja auf die Mieter umgelegt :D

aber mal Spaß beiseite. Du hast da ein tolles Haus geschaffen.
Gruß Ferdi

9

Sonntag, 2. September 2012, 17:33

m Treppenhaus das Licht nicht ausschalten

ich glaube, da kannst du ganz beruhigt sein, da wird nur die Zeit im Taco noch nicht abgelaufen sein.


Roland, das wird wieder einmal ein schönes Haus :thumbup:


Grüße aus dem Bastelkeller,
Dirk

10

Sonntag, 2. September 2012, 22:12

Hallo Dirk und Ferdi,

freut mich das euch mein Häuschen gefällt.

Heute Nachmittag wurden nun die letzten Arbeiten ausgeführt. Das Dach erhielt einen Dunstabzug, einen Schornstein, ein Dachfenster und die Stützen für das Laufbrett.

Nach anbringen des Laufbrettes wurde vom Ortsschornsteinfeger bemängelt, das es zu tief sitzt. Also wurde oberhalb der Schornsteines ein zweites Laufbrett angebracht und eine Leiter vom unteren zum oberen Laufbrett angebaut. Jetzt ist der Schornsteinfeger einverstanden.
Die Dachdecker haben noch die letzten Dachziegel in Mörtel verlegt und den Ortgang ordentlich vermörtelt. Dann kam der Dachklempner und baute die Dachentwässerung an. Die Dachrinnen sind ein USA-Import der Fa. Evergreen. Die Deutsche Reichsbahn kam auch sofort und mietete ein Fläche am Nordgiebel, um dort das Bahnhofsschild des angrenzenden Bahnhofs anzubringen.
Der Hauseigentümer macht nun noch einmal einen Rundgang um sein Haus.
Die Westseite mit dem Eingang:
Die Südseite:
Die Ostseite mit der Schleppgaupe:
Und die Nordseite mit dem Bahnhofsnamen:

Er wird sich nun mit der Gestaltung des Grundstückes befassen müssen, während ich mich mit der Planung der beiden anderen "Strickerhäuser" befassen muss. Diese werde ich natürlich nicht mehr so umfangreich hier beschreiben, da sich vieles wiederholen wird. Vorstellen werde ich lediglich Technologien, welche bei dem ersten Gebäude nicht angewandt wurden.

Mit freundlichen Grüßen
Roland

11

Dienstag, 2. Oktober 2012, 11:28

Strickerhäuser II und III

Hallo,

weiter gehts mit den Strickerhäusern. Es konnte auch ein weiteres historisches Bild dieser Gebäude aufgetrieben werden, wo vor allem das "Strickerhaus III" gut zu sehen ist.

Das Strickerhaus II ist eigentliche relativ einfach zu bauen, so das der Rohbau nach 2 Stunden stand.


Das Strickerhaus III hat zwei Anbauten, bzw. das EG ist länger als das OG. Dann hat es noch ein Krüppelwalmdach, wird also schon mal etwas komplizierter im Aufbau.


Nach erstelltem Rohbau musste die Landschaft des vorhandenen Modules etwas ausgesägt werden, um Platz für die beiden Gebäude zu schaffen. Hier mal eine Stellprobe.


Gruß
Roland

12

Dienstag, 2. Oktober 2012, 20:24

Strickerhaus II

Hallo,

weiter gehts am Strickerhaus II. Dieses hat an den Giebeln Ziermauerwerk, welches aus Mauerwerksplatten von Auhagen mittels Skalpell herausgearbeitet wurde. Weiterhin wurden die äußeren Fensterbänke aus 0,5 x 1mm Polystyrolstreifen angebracht.

Um die Eingangstür war ebenfalls Ziermauerwerk angebracht. Und im Spritzbereich musste narürlich der Sockel verblendet werden.

Gruß
Roland

13

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 13:52

Strickerhaus II und III

Hallo,

das Strickerhaus II wurde nun verputzt. Da es diesmal keinen grauen Putz erhalten sollte, wurde als "Putzträger" für den Quarzsand Elfenbein-Farbe genommen. Anschließend kamen die Tischler und haben Türen und Fenster eingesetzt.



Das Strickerhaus III passt nicht in voller Größe auf das Modul, dass haben Studien des Katasterplanauszuges und anschließende "Vermessungsarbeiten" ergeben.
Also wurden die Schnittstellen am Gebäude angezeichnet und dort eine neue Wand eingefügt. Wenn der Kleber abgebunden hat, wird das Gebäude dann an dieser Stelle abgeschnitten.



Ich hätte mir natürlich Arbeit gespart, hätte ich vorher mal auf den Katasterplan geschaut ;( .

Gruß
Roland

14

Samstag, 6. Oktober 2012, 16:46

Habe heute wieder etwas gemacht.
Ich möchte aber erst einmal kurz die Beleuchtung vorstellen, welche in die Gebäude eingebaut wird.
(Bild unscharf, aber sicher noch zu erkennen) Verwendet werden fertig aufgebaute flexible selbstklebende Leiterplatten, an denen nur noch zwei Drähte angelötet werden müssen. Diese Teile bekommt man bei ebay für ca. 1 Euro das Stück, womit sich bei diesem Preis wohl eine Diskussion über den Selbstbau erledigen dürfte.
Angebracht wird die Leiteplatte am ca. 10mm hohen "Firstbalken" des Gebäudes.
Beim Strickerhaus II sind nun die Gardinen und die Beleuchtung eingebaut, einige Fenster wurden noch schwarz hinterlegt, schließlich soll nicht in allen Räumen das Licht brennen.
Strickerhaus III wurde zersägt, da es nur teilweise auf dem Modul nachgebildet werden kann. Die Fensteröffnungen erhielten aus schmalen Polystyrolstreifen Sandsteineinfassungen.
Eine Luftbildaufnahme vom künftigen Standort der Strickerhäuser II und III.

Gruß
Roland

15

Samstag, 6. Oktober 2012, 17:45

Hallo Roland,


das wird ein tolles Haus :thumbup:


Ich bin nun gespannt, wie es weiter geht.


allen ein schönes Wochenende,
Dirk