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Montag, 10. September 2012, 21:56

Eine häßliche Lok, die niemand wohl braucht, außer ich - BR 37

Hallo,

bei mir lag schon eine längere Zeit eine etwas ramponierte BR 74 von Arnold herum. Motor defekt, Gehäuse Wärmeschaden, ansonsten noch ganz gut. Nun, das Fahrwerk sollte wieder einer Verwendung zugeführt werden. Nach schmökern im Lok Archiv Preussen fiel die Wahl auf die BR 37. Diese ist in Schlesien gelaufen, kann also auch bei Stromausfall mal auf meiner elektrifizierten Strecke fahren.
Die nötigen Zutaten:
Fahrgestell BR 74
Tenderfahrwerk des Tenders der bay. BR 14 (besser wäre der Tender der BR 36 gewesen, war aber nicht da)
Führerhaus der P8 (Fleischmann)
Kessel der BR 55 (Piko)
Bronzeblech, Schnecke, Kardan, Draht, Polystyrol, Zurüstteile, Mashimamotor
Leider habe ich nicht von Anfang an Bilder gemacht, so muss halt Text ausreichen.

Dem Fahrwerk der 74 wurde die Leiterplatte entnommen und die nun wacklige Steuerung mittels einer Leiterplatte, an der sie angelötet wurde wieder Halt gegeben. Auf der Leiterplatte muss in der Mitte der Kupferbelag getrennt werden, sonst gibt es über die Steuerung Kurzschluss!

Danach erfolgt der Einbau der Schnecke welche vor und hinter dem Schneckenrad gelagert werden muss. Der Mashimamotor kann im Minitrix-Tenderfahrgestell angeschraubt werden. Dessen Befestigungsbohrungen müssen nur gering angepasst werden. Zwischen Motor und Schneckenwelle wurde ein Kardan hergestellt aus zwei Kardanwellen der Arnold-01 eingebaut. Besser wäre ein Kardan von der Roco BR 44 gewesen, den hatte ich aber nicht.
Da mir die Bodenplatte des Tenderfahrwerkes fehlte, wurde eine aus Polystyrol angefertigt. An dieser wurden auf einer Seite Bronzbleche zur Stromabnahme angebracht. Den anderen Pol holt sich die Lok über die nicht isolierten Räder-Achsen-Chassis.
Später bekommt die Lok noch auf der Laufachse Stromabnehmer.

Als nächstes wurde der Umlauf aus 0,5mm Polystyrol und Riffelblech hergestellt.

Anpassung ans Lokfahrwerk, die beiden hinteren Kuppelachsen ragen durch den Umlauf.

Dann wurde das Führerhaus der P8 vom Kessel getrennt. Das Führerhaus ist mit dem Kessel verklebt, ich hatte Glück, die Fleischmannmitarbeiter hatten mit Kleber gespart, es ging ohne Schaden ab. Das hintere Fenster ist zu groß und wird mit einem kleinen Stück Polystyrol verkleinert. Dann muss es noch an den Umlauf angepasst werden und wird mittels Sekundenkleber aufgeklebt.

So, es geht gleich weiter.

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Montag, 10. September 2012, 22:11

Jetzt wird der Kessel der BR 55 vom Führerhaus getrennt, was relaiv leicht geht (ist auch nur an 3 kleinen Punkten verklebt). Der Umlauf, die Dome und alle nicht benötigten Leitungen und Anbauteile werden entfernt. Der Kessel erhält dann einen Dampfdom und einen neuen Sandkasten der Arnold T3 (ich habe Abgüsse genommen).

Die Rauchkammer muss noch um 2 mm verlängert werden. Dazu wurde sie durchgesägt und es wurden 2 Lagen 1mm Polystyrol eingeklebt und dann mit Gefühl der Rundung der Rauchkammer angepasst. In den Kessel wurde Walzblei als Gewicht eingeklebt (Lage der Schnecke beachten).

Danach wurde der Kessel dem Umlauf angepasst. Dazu musste der Stehkessel unten um ca. 1mm verlängert werden, was auch wieder mit Polystyrol erfolgte. Mit Sekundenkleber wird er dann auf den Umlauf geklebt.

Jetzt kann das Gehäuse dem Fahrwerk angepasst werden. Am unten verlängerten Stehkessel müssen Aussparungen für die Spurkränze der beiden hinteren Kuppelradsätze eingebracht werden. Wenn dann nichts mehr schleift, sieht die Lok so aus:


Fortsetzung folgt (heute nicht mehr) :)

Gruß
Roland

3

Mittwoch, 12. September 2012, 11:01

Hallo Roland,

toller Bericht :thumbsup: - und eigentlich doch ganz einfach :D
(auch wenn diese Baureihe tatsächlich nicht in mein "Beuteschema" fällt)

Gruß Frank
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt (Joachim Ringelnatz)
Neue Anlage - Bahnhof Wildbad - Modellbahnsteuerung - EMD MRS 1

4

Donnerstag, 13. September 2012, 21:09

Hallo,
ich habe wieder was an der Lok gemacht.
Bei den Probefahrten nickte die Lok stark, da die kleine Feder, mit welcher die Laufachse abgefedert ist, sehr weich ist. Da ohnehin vorgesehen war, die Laufachse zur Stromabnahme hinzu zu ziehen, stand fest, die Stromabnehmer müssen wie auch bei der 74, von oben auf die Laufräder drücken. Dazu wurden kleine Polystyrolstückchen in die Zylinder oben eingeklebt. An diesen wurden mittels Uhrenschräubchen Bronzedraht-Schleifer angeschraubt. Eine Seite erhielt noch ein Kabel, welches zum Tender an den Motor geführt wurde, die andere Seite nur ein Stück Bronzeblech, welche den Kontakt zum Chassis herstellt.

Als nächstes wurden die Zylinder um 2,2mm mittels Polystyrolstreifen erhöht. Im Bereich des Führerhauses wurden noch aus Walzbleistücken Gewichte eingesetzt. Um das Gehäuse befestigen zu können, wurde die vorhandene Gehäusehalterung am Chassis bis durch die Bodenplatte durchgebohrt. In das Bleigewicht im Kessel wurde ein 1,5mm Loch gebohrt und dann 1,6mm Gewinde geschnitten. Jetzt kann das Gehäuse mittels einer M 1,6-Schraube am Chassis verschraubt werden.



Jetzt erfolgt die Vervollständigung des Gehäuses mit aus Polystyrol angefertigten Teilen. An der Rauchkammer werden die Dampfrohrverkleidungen und eine Stütze(?), am Umlauf über den hinteren beiden Kuppelradsätzen die Radkästen und auf dem Dach der Lüftungsaufsatz, angebracht.


Wer sich mit dem neuen Fleischmann-H0-Modell der BR 37 mal näher befasst hat, wird Unterschiede zu meiner BR 37 feststellen. Bei der Fleischmannlok geht die Dampfrohrverkleidung fast über die gesamte Länge der Rauchkammer und der erhöhte Umlauf geht bis hinter die Treibachse, so das nur die C-Achse einen Radkasten hat. Wo Fleischmann diese Vorlage her hat, ist mir nicht bekannt, in allen drei mir vorliegenden Büchern mit der BR 37 ist diese Variante weder auf Bildern, noch auf Zeichnungen zu sehen. Aber Fleischmann liebt ja bekanntlich die Exoten.

Gruß
Roland

Fleischmann-37: Sie ist keine echte P6 der KPEV, sondern eine ehemalige Lok der Königlichen-Militär-Eisenbahn. Also, wie ich vermutet habe, eine Exotin, die es nur einmal gab!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »et89« (14. September 2012, 09:28) aus folgendem Grund: Ergänzung


5

Samstag, 15. September 2012, 13:52

Hallo,

die letzten Stunden an der Lok wurden mit dem Zurüsten des Gehäuses verbracht.
An der Stelle, wo bei der 74 der Behälter vor der Laufachse war, ist bei der BR 37 der Überhitzer. Mittels Kuswa-Zurüstteilen wurde das Teil seiner neuen Funktion zugeführt. Die Pumpe auf dem Umlauf stammt von Arnold. Diese Plastteile (so lange der Vorrat reicht) ziehe ich den Messingteilen vor, da sich dort die anzuschließenden Leitungen einfacher anbringen lassen. Die Glocke ist vom BR 55-Gehäuse, sie wurde mittels eines eingesetzten Drähtchen mit dem Gehäuse haltbar verbunden. Die Griffstangen wurden mittels Kuswa-Teilen angebracht.
Alle Leitungen wurden aus weichem Kupferdraht, die Griffstangen aus 0,2mm Bronzedraht hergestellt.

Auf dem Dach wurde die Dampfpfeife nebst Betätigungszug angebracht und an der Stirnseite die Gas-Loklaternen. Die obere Laterne wurde mittels weichem Kupferdraht befestigt, dass hat den Vorteil, dass sie nicht abbricht, wenn man mal anstößt. Unterm Führerhaus befindet sich der Gasbehälter für die Lokbeleuchtung. Die Pumpe ist wiederrum von Arnold.
Die BR 37 sind selbst noch zu Reichsbahnzeiten mit Gasbeleuchtung gefahren, da wohl eine schnelle Ausmusterung vorgesehen war.


Heute Abend geht nun der Tenderbau los.

Gruß
Roland

6

Sonntag, 16. September 2012, 14:13

Tender

Hallo,

jetzt geht es an den Tenderbau. Als Vorlage dienen mir die Zeichnungen im "Dampflok-Archiv 1", im "Lok-Archiv Preussen" und für die Details der Tender der BR 36 von Arnold. Maßlich ist der Arnold-Tender zu groß.

Arnold hat den Tender mit beweglichen Drehgestellen ausgerüstet, dadurch liegt der Motor zu weit oben und damit wurde der Tender deutlich zu hoch.
Für den Bau des Gehäuses wurde 0,5mm Polystyrol verwendet.

Ebenfalls aus 1mm Streifen dieses Materials werden die Kohlekastenversteifungen angefertigt.

Jetzt kommt schon die Detaillierung. Die Griffstangen an den vorderen Aufstiegen entstanden aus den Schürhaken von Kuswa, diese wurden etwas dünner geschliffen, so dass sie durch die Halteösen, ebenfalls von Kuswa, durchpassten.
An der Tenderrückseite wurden die Türen der Gerätekiste, Tritte und Griffstangen angebracht. Alle Ätzteile stammen wieder von meinem Haus- und Hoflieferanten Herrn Kuswa. Die Griffstangen wurden diesmal aus 0,2mm Kupferdraht gemacht, da sie beim Durchfädeln durch die Haltösen noch gebogen werden müssen, was mit dem sonst verwendeten Bronzedraht nicht geht.
Auf den Wasserkasten musste noch der Wasserkastendeckel angebracht werden, welcher aus einem Tendergehäuse des T3-Tenders ausgesägt wurde. Zum Schluss kommt noch ein Gasbehälter für die Tenderbeleuchtung auf die Gerätekiste, diese stammt aus der Teilekiste, von welcher Lok, dass kann ich nicht sagen. Aber ein Stück bearbeitetes Rundmaterial hätte es auch gemacht.


Gruß
Roland

7

Montag, 17. September 2012, 22:32

Hallo,

heute wurde nur der Kohlekasten oben verschlossen und dabei gleich die erste Schicht Kohle gebunkert.
Die Kohlekastenöffnung wurde mit gewölbt gebogenem Blech verschlossen.
Dann mal auf das Fahrgestell gesteckt um nochmals einen Blick auf die Proportionen zu werfen.

Fazit: Bin mit der Höhe des Tenders sehr zu frieden. Den werde ich wohl noch einmal bauen müssen, und zwar für Arnold´s BR 36.

Gruß
Roland

8

Samstag, 22. September 2012, 15:42

Hallo,

weiter gehts mit dem Tender.
Aus alten Fahrgestellen preussischer Tender werden die Achslager ausgeschnitten und auf der Rückseite abgeschliffen. Die Drehgestellblenden werden wieder aus Polystyrol hergestellt. Die Achslager wurden mit Sekundenkleber aufgeklebt, da sich das GFN-Plast nicht mit Plastkleber kleben lässt. Ebenfalls von den Tenderfahrgestellen sind die vorderen Führerstandsaufstiege. Die hinteren Tenderaufstiege sind von einem bayrischen Modell.

Noch die Gaslaternen, ebenfalls von einem Minitrixmodell und die Puffer angebracht, und fertig ist das Modell jetzt für die Lackiererei.

Lackiert wurde mit dem Luftpinsel und Weinertfarben. Die Lokschilder von KUSWA wurden mit Weinertlack aufgeklebt. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass die Schilder noch korrigiert werden können und das es keine Leimflecke bei hervorquellendem Kleber gibt. Die Haltbarkeit ist hervorragend.
Die erste Probefahrt ins Hoffnungstal.
Jetzt mit einem alten Mitropawagen, in welchem die RAW-Mitarbeiter die erste Fahrt nach Polaun unternehmen.
Da in Polaun die Drehscheibe zu klein für die BR 37 ist, geht es nach Hirschberg mit Tender voraus, zurück.

Wenn der Lack paar Tage durchgetrocknet ist, erfolgt noch die Beschriftung des Tenders und ein Mattlacküberzug des Modells.

So, das war mein erster Lokbaubeitrag in diesem Forum. Ich hoffe, es konnte auch etwas für den Bau schönerer Lokomotiven entnommen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Roland

9

Samstag, 22. September 2012, 18:54

Hallo Roland,

ein "schön häßliches" Modell, das du da gezaubert hast - Respekt!

Leider verfügt nicht jeder über einen so umfangreichen Fundus an Einzelteilen anderer Loks - aber was nicht ist, kann ja noch werden ;)

Gruß - Bernie
Früher war mehr Lametta !

10

Samstag, 22. September 2012, 20:38

Hallo Bernie,

dafür gibt es Foren und ebay. Wenn sich Interessenten für ein gemeinsames Modell finden, dann finden sich auch Lösungen zur Beschaffung der einzelnen Teile. ;)

In einem anderen Forum entstanden da schon interessante Modelle. Vielleicht gibts das hier auch mal irgendwann.

Gruß
Roland