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[allg] Brünieren

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Samstag, 18. Mai 2013, 19:42

Brünieren

Hallo zusammen,

ich hatte mir ja vor paar Wochen 2 Motorisierungssätze von Linea-Model für Del-Prado-Loks bestellt, einen für die E636 und einen für die E420 der FS. Diese Bausätze sind sehr sauber gearbeitet, alles Dreh- und Frästeile aus Messing. Es ist aber nichts vormontiert, es müssen sogar die Isolierbuchsen in die Räder eingepreßt werden. Allerdings sind die Messingteile roh, also ungefärbt. Die Drehgestelle könnte man lackieren, da sie nicht wie z.B. bei Mtx oder Gfn der Stromübertragung dienen, aber was macht man bei den Rädern? Lackieren geht nicht wegen der Stromaufnahme und unbehandelt lassen schaut blöd aus. Irgendwann kam mir dann die Idee mit dem Brünieren. Ich hab mich dann etwas im Netz der Netze umgesehen und festgestellt, daß es einiges an Brüniermitteln gibt. Ich hab mir dann ein Brüniermittel bestellt und nachdem ich es hatte, festgestellt, daß man das erst auf 80°erwärmen muß oder die Teile über Nacht im Bad liegen lassen muß usw., also ein ziemlicher Aufwand. Ich hab dann nochmals gesucht und bin auf das hier gestoßen:



Dieses Nerofor ist von Ballistol und eine Kaltbrünierung, es braucht also nichts erwärmt werden oä und es ist eine Schnellbrünierung. Also das auch noch bestellt. Ich habe dann unter der Woche mal einen Messingstreifen brüniert, weil ich wissen wollte, ob es nach der Brünierung signifikate Kontakt/Stromübertragungsprobleme gibt, schließlich wollte ich ja damit auch die Räder brünieren. Das Ergebnis war, ich konnte mit meinen Meßmitteln nichts (Widerstandsänderung) feststellen.

Zur Verarbeitung:
In der Anleitung steht, daß die Teile, die man brüniern will, fettfrei sein müssen, da sonst das Brüniermittel nicht einwirken kann. Das kann ich bestätigen. Bei meinem Vorversuchen wurde es beim ersten Mal recht fleckig, man konnte sehen, daß das Brüniermittel die Oberfläche nicht richtig benetzen konnte. Ich habe dann das Testteil gründlich mit Aceton abgepinselt und siehe da, alles bestens, gleichmäßige Färbung, keine Fleckenbildung mehr.
Das Produkt verdient die Bezeichung Schnellbrünierung voll und ganz. Man kann sofort nach dem Überstreichen mit einem Pinsel feststellen, daß sich das Messingteil dunkel färbt. Je nach Einwirkzeit wird das Messing bräunlich bis schwarz. Holt man die Teile nach erfolgter Färbung aus dem Bad, ist die Oberfläche dunkel und matt.
In der Anleitung steht dann, daß man nach dem Abwaschen der Teile mit Wasser, die Oberfläche mit dem bekannten Ballistol-Öl abreiben soll, um eine seidig glänzende Oberfläche zu erhalten. Das habe ich aber nicht gemacht, sondern die Oberfläche nur mit einem Baumwolllappen abgerieben.


Bilder dazu gibts dann im Teil 2...



Gruß

Werner

2

Samstag, 18. Mai 2013, 19:56

Teil 2, jetzt kommen die Bilder...






von links nach rechts...

Rad im Ursprungszustand, direkt aus dem Bad und noch nicht abgerieben, mit einem Baumwolllappen abgerieben






die Drehgestelle, oben der Rohzustand, unten brüniert. Hier kommt es durch die Beleuchtung zu einem Farbunterschied, den is aber real nicht gibt, alle 3 Teile sind sehr gleichmäßig. Die Teile unten sind schon mit dem Lappen abgerieben...




Die beiden Hälften des Lokchassis. Den oberen Streifen habe ich deswegen brüniert, weil er durch die Fenster sichtbar ist. Ok, das hätte man in dem Fall auch lackieren können.
Alles in allem bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden, ich kann das Produkt empfehlen.


Gruß

Werner



PS... wenn ich mit dem Bau des/der Fahrgestelle beginne, wird's natürlich wieder einen Bericht geben... :-)

3

Sonntag, 19. Mai 2013, 12:00

Sehr Interessant,


ich denke das könnte man für so manche Teil einsetzen

Gruß Ferdi
Gruß Ferdi

4

Mittwoch, 15. Juli 2015, 19:14

Brünierung von Ätzteilen etc.

Hallo,

beim Stöbern hier bin ich über diesen Thread gestolpert :rolleyes: und dachte mir, den sollte man mal "wiederbeleben" -- vor allem, weil vielen das Thema "Brünierung" bestenfalls von Waffen her bekannt sein dürfte... 8)

Brünierung habe ich bisher gerne eingesetzt,
  • wenn ich keine dicke Farbschicht wollte, die mir alles "zudeckt",
  • wenn etwas leitfähig bleiben sollte
  • oder auch als-- Grundierung! :)
Gerade bei Bauteilen aus Messing oder Neusilber kommt das ganz gut rüber, die kleinen Details bleiben erhalten.
Ein paar vorher-nachher-Bilder sollen das zeigen, bei den Spannwerken konnte ich die Betonfarbe ganz einfach mit Deckweiß und Wasserfarbenschwarz auf der "grundierten" Oberfläche aufmalen -- hält hervorragend. :P
Die Schienenflanken habe ich auch schon brüniert, da ist es recht nützlich, dass die Leitfähigkeit erhalten bleibt, wenn man mal daneben rutscht mit dem Pinsel :whistling:

Ich kann eine Brünierung nur empfehlen. :thumbsup:

Viele Grüße
Michael
»MHAG« hat folgende Bilder angehängt:
  • kIMGA0016.jpg
  • kIMGA2008.jpg
  • kIMGA3011.jpg
  • kIMGA3019.jpg
  • kIMGA4002.jpg

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Mittwoch, 15. Juli 2015, 19:37

mhh Signalspannwerke von Finscale and More.
die sind Klasse
Gruß Ferdi

6

Mittwoch, 15. Juli 2015, 20:07

Hallo Michael,

was nimmst du zum Brünieren? Gibt ja verschiedene Möglichkeiten bzw Mittel...



Gruß

Werner

7

Donnerstag, 16. Juli 2015, 10:17

Hallo Werner,

habe zwei verschiedene Brünierungen im Einsatz:

- die von nDetail, die ist sehr schnell :thumbup: Kommt bei Bausätzen und Selbstbauten zum Einsatz, wird so richtig schön "schmodder-schwarz"

- von Fohrman das "Messingbraun", das nehme ich für die Schienen (da hatte ich anfangs ein Problem, habe anscheinend eine überlagerte Version erwischt, da wollte absolut nichts braun-schwarz werden. Wurde mir aber unproblematisch ersetzt -- und der Ersatz funktioniert sehr gut. :thumbsup: Hab mal ein Bild angehängt, der Pinsel ist die "Brünierungsgrenze" :P

In der Beschaffungsphase habe ich auch mal in einem Waffengeschäft und bei einem Juwelierausstatter nachgefragt, aber ohne passenden Gewerbeschein "dürfe man mir nichts von der Buntmetall-Brünierung (=also das, was wir brauchen) verkaufen. Nur die Stahl-Brünierung sei frei erhältlich." Verstehe das wer will ?( , dann habe ich mir das Zeug halt bei den Modellbahnfirmen besorgt... :D

Viele Grüße
Michael
»MHAG« hat folgendes Bild angehängt:
  • Fohrmann Brünierung 1.jpg

8

Dienstag, 28. Juli 2015, 15:57

Hallo Leute!

Habe vor kurzem Feuerzeugteile (für weitere Ladegüter) mit dem Fohrmann-Mittel brüniert. Ich bin ziemlich begeistert, wie das jetzt wirkt! :P
Aus dem Messingteil ist ein "alter gebrauchter Stahl" oder so was ähnliches geworden.
Zuerst habe ich die Teilchen in einer Spülmittelbrühe (genauer: Lösung mit Geschirrspülerpulver) ein paar Stunden eingeweicht, danach waren die Dinger hochglänzend und messingfarben -- diese Brühe ist anscheinend wirklich leicht ätzend. Zum Brünieren wurden sie einzeln auf einen Klingeldraht mit Isolation (dann rutschen die nicht runter) gesteckt und für etwa 15min in die Lösung gehängt. Direkt nach dem Herausnehmen habe ich die "versifften schwarzen" Teilchen mit Küchenpapier leicht poliert (eigentlich besser: abgetrocknet) -- und dann hatten sie diese schöne Färbung. :)

Und jetzt überlege ich, wie ich die Teilchen zu Ladegut "verwandle". ;)
Aber das Ergebnis kommt dann in den passenden anderen Thread... :rolleyes:

Viele Grüße
Michael

Ach ja, hab' ich vergessen: Auf dem Bild sind noch zwei Teile mit drauf, so wie sie aus dem Feuerzeug ausgebaut wurden. Ratespiel: Welche ? :whistling:
»MHAG« hat folgendes Bild angehängt:
  • k20150722_225555.jpg

9

Mittwoch, 29. Juli 2015, 22:14

Hi Michael,

wusste gar net, dass du so ein heftiger Kettenraucher bist, dem Feuerzeugverbrauch nach zu schließen (oder bist ganz einfach ein echter Pyromane ???)

Auf jeden Fall supi Bericht!
Und live schaun die Dinger wirklich klasse aus - wie echte Kanonenrohre.

Beste MobGrüße
Tannenzäpfle

10

Donnerstag, 30. Juli 2015, 10:07

Hallo Gerhard,

so gesundheitsschädlich war das für mich nicht; ich habe zwei Kettenraucher in der Verwandschaft gebeten, doch mal die leeren Feuerzeuge zu sammeln. als ich nach drei Monaten wieder dort war, habe ich eine volle Plastiktüte bekommen. Beide waren übrigens erschrocken, wie viele Feuerzeuge sie verbraucht haben in der kurzen Zeit... :S

Wieviele Zigeretten das waren, wollte ich dann garnicht wissen :(
wie echte Kanonenrohre.
Hm, auch eine Idee. 8o
Mich erinnert's eigentlich mehr an sowas wie "Wasserabschlußschieber", die zu den "Graugußröhren" passen könnten. Vielleicht wird's ja kein Ladegut sondern eine Baustellenausstattung (neu zu erschließendes Wohngebiet, die Hauswasseranschlüsse). Mal sehen 8)

Viele Grüße
Michael