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Mittwoch, 4. April 2018, 16:16

Selbstbau-Weichen für den Hausgebrauch

Hallo Gleisbauer!

Wie ich letztens versprochen habe, berichte ich über mein "Zusammenpfriemeln" von speziellen Weichen im kompletten Selbstbau.
Manch einer, der exakt nach Vorbild baut, mag über diese Art zu bauen die Nase rümpfen -- zu kleine Radien, keine Kleineisen, überhaupt: viel zu kurz :thumbdown: . Doch da ich rein vom Platz her garnicht "nach Vorbild" bauen kann und stark komprimieren muss, ich aber zumindest "ans Vorbild angelehnt" bauen will, habe ich mich an eine eigene Bauweise "herangetastet" :thumbup: , um bestimmte Weichenkombinationen zu bauen. Mittlerweile geht mir so eine einzelne Weiche recht flott von der Hand: mit meiner Bauweise und ohne Hektik ist eine einfache Weiche nach etwa 2 Stunden fertig (ohne Rüstzeiten :D und Leimtrocknungsdauer :sleeping: ).
Ach ja, "ans Vorbild angelehnt": Wer sich das (ehemalige) BW von Regensburg in Google Maps ansieht, wird vielleicht ein paar Parallelen entdecken... 8)

Ursprünglich wollte ich ja alle Weichen selbst bauen, bin aber aus Zeitmangel zwangsweise davon abgekommen :( . So nutze ich das Sortiment von Peco Code 55 für die "Normalität", bei besonderen Figuren ist Selbstbau angesagt.
Durch meine ersten Versuche, eine Weiche zu bauen, kam ich darauf, kein Gelenk für die Zunge zu verwenden. Statt dessen "biege" ich die Zungen zum Umstellen der Weiche. Das erfordert zwar einen starken Antrieb, sorgt aber für einen sanften Lauf der Fahrzeuge über die Weiche. Korrekterweise müsste an der Biegestelle der Fuß der Schienen geschwächt werden; doch ist mir aufgefallen, dass das einen leichten Knick im Schienenverlauf gibt. Deswegen baue ich ohne diese Schwächung.
Wegen des starken Antriebs bin ich auch an einer Lösung dran, momentan baue ich mir einen Prototypen. Ein Servo sollte aber ebenfalls die Kraft haben, "meine" Weichen umzustellen. Das sollte auch für die MKB-Antriebe gelten, habe ich bisher noch nicht ausprobiert.
Ebenfalls bei den ersten Versuchen hatte ich Probleme, die Zungen dauerhaft und trotzdem beweglich mit einer Stellvorrichtung zu verbinden. Da meine Weichen alle auf einer 2mm-Korkschicht als Gleisbett liegen, welche auf einer weiteren Korkschicht liegt, kam mir die Idee, die Weiche selbst mit dem "Gleisbett" zu verkleben. Dadurch hatte ich im Bereich der Stellschwelle plötzlich 2mm "Bauraum" unter den eigentlichen Schwellen. Den habe ich dann für die Stellschwelle ausgenutz. So ist alles fest verbunden, die Zungen können nicht aufklettern, es ist stabil, bei Bedarf könnte der Raum oben zwischen den Schwellen für die Darstellung der Vorbild-Stellstange genutzt werden -- wenn man das will... :)

Dann also "Start frei" :!: für den Baubericht (wegen der Begrenzung auf 5 Bilder je Posting teile ich alles auf mehrere Postings auf):

Zuerst "baue" ich mir die gewünschte Weichenkombination mit Weichen-Kopien (auf Papier) zusammen, da kann man solange herumschnippeln und kleben, bis alles passt. Von diesem Puzzle mache ich mir dann ein paar Kopien, die ich im Gesamtplan nochmal abgleiche; der Gesamtplan ist übrigens genauso per "Copy'n'Glue" entstanden -- da sieht man, wie das hinterher wirkt. Besser, als mit jedem 3D-Gleisplaner... Das nur nebenbei.

Passt die Kopie und der Plan, klebe ich die Kopie auf einen Karton oder ein dickes Papier auf, dadurch wird das Handhabung bequemer. Manchmal (bei kleineren Weichen) befestige ich sie auch auf einem Brett mit Klebeband. Bei den 9 Weichen wäre das Brett aber viel zu unhandlich geworden.
Im nächsten Schritt klebe ich Schwellen, die ich mir aus einseitig kupferkaschierten Hartpapier-Platinen gesägt habe, mit wasserlöslichem Kleber auf die Weichenkopien auf. Dabei achte ich auf die Doppelschwellen, diese werden später bei den "Isolier-Trennschnitten" genutzt.

Die Schwellen aus der Platine sind ca. 1mm (die Doppellschwellen etwa 2mm) breit und werden nach Bedarf abgelängt -- etwas zu lang, die "ungefähr" genaue Länge wird später zugeschnitten. Wichtig ist mir (muss man aber nicht machen), dass am späteren Zungenende zwei längere Schwellen verbaut sind, an denen eine Weichenlaterne samt Antriebsattrappe oder Handstellhebel befestigt werden kann.

Bei der BW-Einfahrt hatte ich nicht genug Schwellen vorrätig, deshalb sind da noch Lücken im Schwellenband. Man kann natürlich auch nur eine bestimmte Anzahl "Lötschwellen" einbauen und den Rest aus Echtholz dazwischenkleben. Da ich aber die Schwellen gleichzeitig für elektrische Verbindungen nutze, sind bei mir alle lötbar.
Im letzten Bild sieht man übrigens den geplanten Lokschuppen (mit den Falttüren) als Dummy -- eine weitere interessante Baustelle... :rolleyes:

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Mittwoch, 4. April 2018, 16:23

Nach dem Komplettieren des Schwellenbandes durfte erst mal der Kleber richtig abbinden. Dann habe ich alle Schwellen vorsichtig an den Schnittkanten entgratet und die Oberfläche angeschliffen und gereinigt, so dass ich sie leicht verzinnen konnte. Dieser Schritt erleichtert die folgende Schienenmontage erheblich!

Jeweils im Bereich der Zungenschienen glätte ich die verzinnten Schwellen nochmal extra, denn dort sind sie die Gleitbahn für die gelenklosen Zungen.

Die erste Schiene war im vorliegenden Fall die nicht unterbrochene Aussenschiene, die ich -- genau dem kopierten Profil folgend -- auf die Schwellen lötete.

Die Unterseite der Schiene wurde natürlich vorher blank geputzt mit feinem Sandpapier. Die Schiene ist übrigens ein Code 55 oder 60 Profil als Meterware, für Spur Z, davon konnte ich auf einer Messe mal 20m in der Rolle erwerben -- Glücksfall! ^^ Das Flexgleis oder andere Gleisstücke von Märklin Z habe ich vor diesem Kauf verwendet, da bekommt man auf Flohmärkten immer wieder günstige Gebrauchtware; da ja nur die Profile verwendet werden, darf das Gleis auch etwas beschädigt sein -- hilft beim Handeln! :D

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Mittwoch, 4. April 2018, 16:30

Als nächstes forme ich mir ein Herzstück aus zwei passend zugeschliffenen Schienenstücken, von denen eines mit (mindestens!) drei Stecknadeln auf einem Lötbrett fixiert wird. Das zweite Schienenstück lege ich passend an, fixiere es mit dem Lötkolben gegen das Holz, heize es dabei auf und halte mit der anderen Hand etwas Elektronik-Lötzinn (mit Seele) an die sich berührenden Spitzenhälften. Dann weg mit dem Lötzinn, mit einem schnell aufgenommenen Werkzeug vom Zahnarzt :whistling: halte ich die nicht fixierte Schiene fest und kann dann mit dem Lötkolben "loslassen". Nach dem Erkalten (dauert etwa 10 sec) kann man lockerlassen und das "Herzstück" aus der Stecknadelhalterung befreien .

Wenn der Winkel passt auf der Kopie, kann das Herzstück eingebaut werden.
Dazu nutze ich eine Gleisklammer.

Erst wird die "freie Seite" ;) des Herzstücks verlötet, dann kann die Gleisklammer problemlos abgenommen werden, um die zweite Seite zu verlöten

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Mittwoch, 4. April 2018, 16:41

Nach dem Herzstück ist die andere Schiene dran -- sie wird mit zwei Klammern festgehalten, einmal am Herzstück, das andere Mal am Zungenende. Dabei ist es einfacher, wenn das Herzstückende zuerst festgelötet wird. Bei dem dritten Bild unten musste ich umgekehrt arbeiten :wacko: , da die Aussenschiene gleichzeitig wieder in ein Herzstück läuft. Deshalb habe ich da auch kein passendes Bild dazu... :(
Weil ich die 9 Weichen quasi "im Stück" bauen wollte, hatte ich ein paar Besonderheiten, besser: Schwierigkeiten :S zu meistern. Jedenfalls ist der Bau einer einzelnen Weiche deutlich einfacher... :P
Nach dem Festlöten kann die Klammer beim Herzstückentfernt werden, die weitere Schiene Richtung Zunge kann durch die zweite Klammer noch in der Lage korrigiert werden. Weiter geht es mit den beiden "Flügelzungenschienen".
Zungen und Flügelschienen sind bei meiner Bauweise erst mal ein Teil; erst später werden sie getrennt (das entspricht dann ungefähr dem "Digitalschnitt" und ist bei meiner Bauweise zwingend notwendig). Leider habe ich keine deutlichere Aufnahmen gemacht, wie ich das Ende der Zunge zurechtgefeilt habe. Jedenfalls ist der Teil, der an der Backenschiene anliegt, bis zum Steg zurückgefeilt und unten leicht angeschrägt. Oben an der Innenseite schleife ich den Kopf soweit zurück, dass ein sehr scharfes Ende entsteht, das in die Backenschiene passt. Danach mache ich mit der Diamantscheibe im Zungenfuß einen kleinen Schlitz, in den ich später einen L-förmig gebogenen Draht einlöte. Das kurze Ende des Drahts liegt dabei, vom Zungenende wegzeigend, in der Hohlkehle zwischen Steg und Fuß. Dann wird auch dieser eingelötete Draht nochmal beigeschliffen. Auf dem Bild ist der Schlitz zu erahnen 8| , der einzulötende Draht ist aber noch nicht auf dem Bild.

Vielleicht wird es durch die Skizze deutliche ?( r:

Die Zungen bekommen dann erst die Knicke für die Flügelschienen angebogen, wenn die Zungenseite passend ist. Ich finde es recht bequem, beide Zungenenden mit den Backenschienen zusammen passend einzuklemmen und dann mit der "übergreifenden Klemme" die festgelötete Schiene mit dem "entfernter liegenden" Zungenteil zu greifen und dieses Zungenteil dann zu verlöten. Dabei auf den Abstand in der Herzstückrille und die Flucht der Fahrlinie auf der anderen Seite achten! Lieber einmal zuviel die Ausrichtung einstellen als hinterher einen schlechten Lauf der Fahrzeuge zu haben.

Ist dieses Teil fest, wird mit der übergreifenden Klammer das zweite Zungenteil an die noch bewegliche Aussenschiene geklammert und anschließend beide (Zungenteil und Aussenschiene) verlötet.
:!: Wichtig ist, dass die Zungen noch beweglich bleiben, d.h. vom Zungenende Richtung Herzstück darf die erste Hälfte der Schiene nicht mit den Schwellen verlötet werden :!:

Zum Abschluss der Schienenarbeit biege ich aus Reststücken die beiden Radlenker zurecht und löte sie mit dem passenden Abstand fest.


Da sind auch meine Hilfsmittel abgebildet: zwei gekaufte Klammern, eine selbstgebaute Klammer (die kann über ein Profil "greifen") und ein 0,9mm-Blech als Abstandshalter.

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Mittwoch, 4. April 2018, 16:47

Der "technische Part" ist bisher noch nicht groß zum Tragen gekommen :huh: , das soll sich jetzt ändern :thumbup: :
Ich habe ja bereits bei den Zungen den "Draht nach unten" erwähnt. Der ist für das Bewegen der Zunge zuständig. Dazu wird ein Platinenstück als "Stellschwelle" verwendet, das so breit ist wie zwei Schwellen samt Zwischenraum. In dieses Platinenstück bohre ich mehrere Löcher mit 0,7mm Durchmesser: zwei nebeneinander mit etwa 7mm Abstand (für die Zungen), das dritte weiter am Rand (für den Stelldraht).
Diese Platine wird dann auf der Kupferseite so beschliffen, dass jedes Loch einen eigenständigen Kupferbereich hat. Bei der Stellschwelle sollten alle Kanten leicht mit Sandpapier gerundet werden, damit sich später nichts verhaken kann.


Dann wird die Weiche kopfüber auf die Schienenprofile gelegt und der Bereich für die Stellschwelle (dort, wo die beiden längeren Schwellen sind) ebenfalls mit Sandpapier an den Kanten gerundet. Anschließend wird die Stellschwelle mit der Kupferseite nach oben so auf die Zungendrähte gefädelt, dass sich das Antriebsloch seitlich neben den Schienen zwischen den längeren Schwellen befindet. Dann kann man die Drähte mit viel Lötzinn schnell und heiß verlöten -- schnell deswegen, weil sonst die Zungenlötung sich lösen kann... :evil:


Nach der Prüfung, ob sich die Zungen durch die Stellschwelle bewegen lassen, knipse ich den überstehenden Draht ab und verschleife die Lötellen.


... 8) ...

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Mittwoch, 4. April 2018, 16:58

Die Kupferschicht auf den Schwellen muss noch getrennt werden, damit kein Kurzschluß entsteht; wo die Kupferschicht zu trennen ist, sieht man auf den Bildern 8) . Auch ist der Schnitt durch die Schienen auf der Doppelschwelle noch durchzuführen.


Und so sieht das gesamte Gebilde dann aus:
Von oben mit dem Plan und ohne


und von unten


Jetzt fehlt noch das Fein-Tuning, die elektrischen Anschlüsse, die Korkschicht, Farbe, Schotter, die Antriebe und -- viel Zeit ;( :S 8| .
Sobald ich weitergekommen bin, werde ich entsprechend berichten.


Ich hoffe natürlich :whistling: , dass ich mit diesem Beitrag auch andere zum Selbstbau von Gleisen anregen kann -- prinzipiell ist es ja egal, welchen Maßstab, welche Spurweite und welches Schienenprofil man verwendet. Die Bauweise ändert sich dadurch nicht, nur die Abmessungen ;)
Und natürlich :rolleyes: hoffe ich auch, dass sich hier eine Sammlung von Bildern mit Selbstbau-Gleisen aufbaut, möglichst mit Beschreibung der Bauweise und Baubildern (soweit vorhanden). Man findet da bestimmt sehr gute Ideen, die einen selber weiterbringen beim Hobby.

Viele Grüße 8)
Michael

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Donnerstag, 5. April 2018, 13:35

Hallo Leute,

ein Selbstbau der ganz anderen Art :D :



Das war mal ein Experiment, wie man im Untergrund eine "herzstücklückenfreie Weiche" bauen könnte. Ohne spätere Justierungen sollte der Schieber nur von Anschlag zu Anschlag bewegbar sein und dabei einen eindeutigen Fahrweg sicherstellen. Prinzipiell funktioniert das Teil ganz gut, nur ist der verschiebbare Bereich derzeit leicht nach oben entnehmbar. Das müsste also erst mal so gebaut werden, dass durch einen Antrieb nichts an der Höhenlage geändert werden kann (=stabile Führung). Das war mir dann zu viel Aufwand, außerdem braucht man dafür einiges an Platz. Also habe ich das nicht weiterverfolgt.

Aber ich finde, das sieht lustig aus! :whistling: Deshalb stelle ich es mal hier ein.

Viele Grüße 8)
Michael