Du bist nicht angemeldet.

1

Freitag, 27. Mai 2011, 21:47

Bau eines Flügelsignals

von einem Gedanken, über 3D Skizzen am Computer, bis zum fertigen Signal.

Die erste Frage stellte sich unerwartet sehr früh. Wie sollte ich den Mast bauen? Es gab 2 Möglichkeiten, entweder eine Gittermastkonstruktion, oder die "neuere Version" die schmale rechteckige Variante.
Nach den ersten Handentwurfskizzen war sehr schnell klar, dass eine Gittermastkonstruktion die schönere Variante ist. Jetzt stellte sich die Frage der Dimension. Mir war recht schnell klar, dass ich kein Signal 1:1 nachbauen werde. Ich plante eine Bauzeit von 32 Std.
Demnach müsste die Gittermastkonstruktion eine Grundfläche von 285mm x 285mm und eine Höhe von 2000 mm (2m) haben.
Damit der Mast nicht umkippt, skizzierte ich einen ungleichschenkligen Winkel, der um den Mast läuft. Verankert wird das Signal mit 6 Schrauben im Boden.

Als dies nun feststand, musste ich mir Gedanken machen, wie konstruiere ich die Flügelhalterung und wie baue ich einen Mechanismus, der den Flügel bewegt ?

Fragen über Fragen.

Ich hatte die Möglichkeit einen Flügel käuflich zu erwerben, dieser hatte eine Gesamtlänge von 1300mm. Zum Problem der Flügelhalterung skizzierte ich mehrere Variante. Es stellte sich heraus, dass die einfachste die beste Lösung war. Ein Rundstahl 16 der Innen auf 12mm aufgebohrt wird. Dieser dient als Distanzstück zwischen Mast und Flügel und wird durch 3 Knotenbleche oder Knieblechen gestützt. Der Flügel wird dann mit einer M12 Schraube befestigt. Drehpunkthöhe habe ich auf ca 1800 mm gesetzt.

Als nun dieses Problem gelöst wurde stellte sich die nächste schwierige Frage. Wie baue ich den Mechanismus zum Stellen des Flügels.
Als erste Variante erschien mir die einfachste Lösung mit einem Drahtseil, dass auf 2 verschiedene Höhen eingerastet werden kann. (Stopp oder freie Fahrt).

Dies gefiel mir aber nicht, deswegen entschied ich mich dazu, eine Variante zu wählen, die etwas komplizierter aber dafür besser aussah. Ich skizzierte eine Variante mit einem Gegengewicht, welches per Hand nach oben und unten umgelegt werden kann. Dieses Gegengewicht ist an einem Hebel angebracht, welcher wiederum an einem Rohr befestigt ist. Am anderen Ende des Rohres befindet sich eine Scheibe. Hier ist eine Stange befestigt, welche an der Scheibe und am Flügel montiert ist. Durch das Umlegen des Gegengewichte von oben nach unten, soll sich der Flügel nach oben bewegen. Wenn man das Gewicht wieder nach oben umlegt, sollte der Flügel wieder in der Waagerechten stehen. Weiterhin sollte dies auch gegen Missbrauch geschützt werden. In den Hebel und in die Halterung werden in den jeweiligen Positionen Löcher gebohrt. Hier kann dann ein Schloss hindurch gesteckt werden.
In der Theorie klingt dies einfach, jedoch traten hierbei die größten Probleme auf, später mehr dazu.

Als nun auch der Mechanismus klar war, kam noch ein paar "Details" dazu. Ein Dachblech sowie 2 Frontbleche, beide aus 2 mm Blech. An der Rückseite skizzierte ich eine Art Steigleiter, um bei eventuellen Problemen leichter an den Flügel und und die Flügelhalterung zu erreichen.

Als nun endlich alle Skizzen fertig waren, kam die 3D Zeichnungen am PC. Hierbei benutzte ich ein 3D Zeichenprogramm. Es folgten mehrere Abende/Nächte mit Versuchen meine Skizzen umzusetzen. Leider musste ich an dieser Stelle einige Abstriche machen, da mir es nicht möglich war, meine Ideen umzusetzen. So sollte ursprünglich der Mast konisch zusammenlaufen, musste aber nun gerade laufen. Auch war es schwierig, den Flügel im 3D darzustellen da das Programm hier an seine Grenze kam. Die größte Schwierigkeit war es die Funktion in 3D zu zeichnen.
Grund hierfür war, dass es schwierig war die Stange genau so zu zeichnen, dass die Funktion gegeben ist. Weiterhin musste die Scheibe richtig dimensioniert werden, damit der Flügel die richtige Position erreicht. Ich schätze das ich dafür ca. 5 Std.(und viele Nerven) gebraucht habe.

Das tolle an diesem Programm ist, dass es die Zeichnungen so ausdruckt, dass man danach bauen kann. Wenn man die Maße genau einhält wird das Werkstück genau so wie in der 3D Zeichnung.

Als ich nun nach mehren Versuchen und Abende/Nächte mein Signal soweit fertig hatte, dass man danach bauen kann, kam der liebe Freund Absturz. Nicht nur das Programm schmierte ab, sondern auch der USB-Stick mit dem ich gearbeitet hatte. Es war alles verloren !! 3 Wochen Arbeit umsonst.
Nun musste ich alles neu zeichnen, jedoch hatte ich mir einige Hauptmaße aufgeschrieben, die ich in der 3D Zeichnung geändert hatte. So war es mir möglich innerhalb von 2 Tagen das Signal neu zu zeichnen.

Folgendes kam heraus:



Material [mm]:

Gittermast: Winkelstahl 40x40x,5 Flachstahl 40x5, Flachstahl 150x6, Winkelstahl 100x50x8
Steigleiter: Rundstahl Durchmesser 16
Halterung: Winkel 60x60x8, Flachstahl 60x8 diverse Rohrstücke, Zugstange Durchmesser 10
Dach/Frontblech: Blech 2mm dick

An dieser Stelle möchte ich mich bei dem Eisenbahnmuseum Aumühle bedanken, die mir freundlicher Weise ein Buch über Flügelsignale mit vielen hilfreichen Informationen zur Verfügung stellten. Natürlich auch bei Frank, der mir bei Fragen zur Seite stand.

Das soll's soweit erst einmal sein, später mehr an dieser Stelle.

2

Samstag, 28. Mai 2011, 09:21

Hallo Marcus,
Eine sehr interessante Arbeit.
Hast du es schon nachgebaut? Gibt es davon schon Bilder?

3

Samstag, 28. Mai 2011, 09:54

Tach Marcus,

bescheidene Frage:

Wo kommt das Ding hin???

In´s Haus doch wohl eher, trotz gedrungener Bauart, nicht. ?(

schönes WE
Volker
... zu meiner HP: http://vaueff.jimdo.com/

4

Samstag, 28. Mai 2011, 13:34

Hallo,

@ Ferdi, ja es ist schon fertig gebaut, Bilder folgen noch.

@ Volker, im Haus wäre es tatsächlich eng geworden ;) Das Signal wird erst einmal im Garten stehen.

schönes WE

Gruß Marcus

5

Samstag, 28. Mai 2011, 15:48

Der Zusammenbau des Signals in 4 Tagen:

Nach dem ich über 40 Seiten Zeichnungen ! aus dem Drucker gequält habe wurde das nötige Material eingekauft.

Tag 1
Als erstes erfolgte der Zuschnitt vom Material nach den Zeichnungen. Hierbei sind ca 3-4 Std. drauf gegangen. Danach erfolgte die Vorbereitung der Schweißnaht, d.h. die Stellen, wo geschweißt werden soll, werden mit dem Winkelschleifer auf 30° geschrägt. Die Bohrungen für die Steigleiter wurden gebohrt. Anschließend schaffte ich es noch die Vorder- und Rückseite zusammenzuheften. Das heißt es werden nur kleine Schweißpunkte gesetzt.

Tag 2
Der Gittermast wurde fertig zusammengebaut, veschweißt und hingestellt. Des weiteren erfolgte der Anbau des Fußes. Die Flügelhalterung wurde nach Zeichnung zusammengebaut und montiert. Sämtliche Bauteile wurden ausgebrannt, damit diese über Nacht wieder abkühlen können. Ich habe angefangen die Halterung, die an der Seite montiert werden soll, nach den Zeichnungen vorzubereiten. D.h. jeweils ein Loch in die Winkelstähle zu brennen und die Löcher für das Schloss zu bohren. Auch wurde im Hebel ein Loch gebrannt.

Tag 3
Die fertige Halterung wird am Mast angeschweißt. Nun kam das Problem die Zugstange, Rundstahl 10mm, so zu biegen dass sie passt. Wenn sie zu kurz oder zu lang ist, passt diese nicht. Das hätte zu Folge, dass entweder der Flügel nach oben oder unten steht und nicht wie gewollt waagerecht. Also blieb nichts anderes übrig, den Brenner an zu machen, die Stange an den zu biegenden Stellen zu erwärmen (glühend) und mit dem Hammer am Amboss zu biegen. Glücklicherweise passte gleich der erste "Versuch". Die Funktion war so gegeben und ich konnte die nächste "Baustelle" in Angriff nehmen.
Es folgte die Biegung der 2 Frontbleche an der Handkantbank. Des weiteren wurden jeweils 4 Löcher gebohrt. Auch wurden die Distanzstücke und die eigentliche Blechhalterung gesägt. In die Blechhalter wurden Gewinde hinein geschnitten. Die Blechhalter wurden am Mast angeheftet und die Bleche mit Senkkopfschrauben montiert.

Tag 4
Die Dachbleche wurden ausgeschnitten und an der Handkantbank gebogen, anschließend verschweißt. Danach erfolgte die Biegung der Steigleitern (Rundstahl 16mm). Auch diese wurden mit dem Brenner warm gemacht und gebogen. Anschließend wurden diese von hinten in den Mast hineingesteckt und von der Innenseite des Mastes verschweißt. Zum Schluss wurden die Außennähte mit dem Winkelschleifer abgeschliffen und alle Schweißpickel (ja die heißen so) mit einem Meißel entfernt.

Am Ende des 4 Tages stand nun ein fertiges und funktionsfähiges Signal in der Werkstatt.

Mein Fazit: Der Bau des Signales war sehr interessant. Sollte ich dies noch einmal machen würde ich auf 5 Tage (40 Std) kalkulieren. Gründe hierfür sind, dass ich am Ende des 4 Tages körperlich ziemlich fertig war. Auch der Zeitdruck spielte eine Rolle. Des weiteren hätte ich gerne mehr Zeit gehabt, den Mast noch sauberer zu machen.

Der Anstrich des Signals erfolgt noch.

Anschließend noch ein paar Bilder des fertigen Signals.





Das letzte Bild zeigt den Mechanismus. Ist das Gewicht oben steht der Flügel waagerecht. Wird dieses nach unten umgelegt, dreht die Stange, welche sich an der rechten Seite befindet, nach unten und der Flügel steht auf freie Fahrt.

Das war's von meiner Seite.

Gruß Marcus

6

Sonntag, 29. Mai 2011, 08:40

Hallo Marcus

saubere Arbeit. gefällt mir.

7

Freitag, 17. Juni 2011, 23:09

Hallo,

1. erstmal @ Ferdie: Danke schön

2. die Bilder zeigen das montierte Signal an seinem endgültigen Platz und in Farbe.



Gruß Marcus

8

Samstag, 18. Juni 2011, 10:02

Hi Marcus,

das Signal ist sehr schön geworden, gratulaton :thumbsup:

Verkürzte Flügelsignale hab ich schon öfter mal im original gesehen, werde bei Gelegenheit mal nach den Bildern suchen.


Gruß Bernd IV
Sehr schönes Zubehör aus Ätzteilen findet man bei: www.ptlbahn-shop.de

Ähnliche Themen

Verwendete Tags

Flügelsignal